Empörung nach Freispruch für maltesischen Geschäftsmann in Mordfall Caruana Galizia
Fast neun Jahre nach der Ermordung der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia hat ein Gericht in Malta am Mittwoch den Geschäftsmann Yorgen Fenech vom Vorwurf freigesprochen, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Caruana Galizias Familie erklärte, Fenechs Freispruch verweigere "ihr die Gerechtigkeit, die sie verdient". Medienorganisationen und Verfechter der Meinungs- und Pressefreiheit sehen in dem Urteil eine verheerende Signalwirkung.
Die Staatsanwaltschaft hatte Fenech vorgeworfen, den Mord an der Journalistin in Auftrag gegeben zu haben, weil sie kurz davor stand, einen kompromittierenden Artikel über seinen Onkel zu veröffentlichen. Fenech hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Er war 2019 an Bord seiner Yacht festgenommen worden, als er versuchte, Malta zu verlassen.
Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 durch eine Autobombe getötet worden. Die damals 53-Jährige hatte regelmäßig über Korruption, Geldwäsche und andere Missstände in Malta berichtet. Ihre Ermordung löste international Empörung aus.
In dem Mordfall wurden bereits fünf Menschen verurteilt. Die Brüder George und Alfred Degiorgio sowie Vince Muscat, die den Mord verübten, befinden sich in Haft. Robert Agius und Jamie Vella wurden im Juni 2025 zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, weil sie den Sprengstoff für den Anschlag beschafft hatten.
Der Mord hatte in Malta zu massiven Protesten gegen den damaligen Regierungschef Joseph Muscat geführt. Ihm wurde vorgeworfen, bei den Ermittlungen Freunde und Verbündete schützen zu wollen. Muscat trat im Januar 2020 zurück. Eine 2021 veröffentlichte Untersuchung kam zu dem Schluss, dass die Regierung ein "Klima der Straflosigkeit" für diejenigen geschaffen habe, die Caruana Galizia zum Schweigen bringen wollten.
Der Sohn der getöteten Journalistin, Matthew Caruana Galizia, sagte nach dem Freispruch, die Geschworenen hätten eine "schreckliche Entscheidung getroffen ... von der sich unser Land vielleicht nie wieder erholen wird".
In ihrer Stellungnahme forderte die Familie der Journalistin zudem Konsequenzen. "Es ist höchste Zeit, dass all jene zur Rechenschaft gezogen werden, die den Mord an ihr ermöglicht, begünstigt oder ihre Mörder geschützt haben", erklärte Caruana Galizias Familie am Dienstag. Neun Jahre nach der brutalen Ermordung der Journalistin seien "die institutionellen Versäumnisse, die ihren Mord ermöglicht haben, nach wie vor nicht aufgearbeitet und nicht behoben" worden.
Auch Medienorganisationen zeigten sich schockiert über den Freispruch. Das Europäische Zentrum für Presse- und Medienfreiheit erklärte, das Urteil sende "eine beunruhigende Botschaft an diejenigen, die Journalisten angreifen und töten".
Die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) erklärte, sie sei "mehr als empört" und forderte "vollständige Gerechtigkeit". Das Urteil bedeutet ihrer Ansicht nach, "dass es den maltesischen Behörden fast neun Jahre nach der Ermordung von Daphne Caruana Galizia nicht gelungen ist, den Drahtzieher zu identifizieren und zu verurteilen". Die maltesischen Behörden müssen "die längst überfälligen Maßnahmen zum Schutz von Journalisten und der Medienfreiheit umsetzen".
Maltas Regierung erklärte indes, sie habe das Urteil "zur Kenntnis genommen". Sie sei "entschlossen, dafür zu sorgen, dass Gerechtigkeit hergestellt" werde.
O.McCarthy--IP