Unglück löste riesige Protestbewegung aus: Serbien gedenkt Unglücks von Novi Sad
Am zweiten Jahrestag des Unglücks, das in Serbien landesweite Proteste ausgelöst und vor einer Woche schließlich zur Abwahl der Regierung geführt hat, haben tausende Menschen der Opfer des Einsturzes eines Bahnhofsvordachs gedacht. Vor dem Bahnhof von Novi Sad legten Trauernde am Sonntag Herzen mit den Namen der 16 Todesopfer und Blumen nieder und entzündeten Kerzen. Die Katastrophe vor zwei Jahren hatte eine Protestwelle ausgelöst, aus der die Studentenbewegung hervorging, die vor einer Woche die Parlamentswahl gewann.
"Es ist schwer, an den Ort zurückzukehren, an dem das alles passiert ist", sagte Dijana Hrka, deren 27-jähriger Sohn Stefan bei dem Einsturz getötet wurde, am Rande der Gedenkfeier der Nachrichtenagentur AFP. "Die Gefühle sind unbeschreiblich", sagte Danijela, eine 50-jährige Einwohnerin von Novi Sad, unter Tränen. "Ich glaube, jeder, der heute hierherkommt, wird eine Energie spüren, die eine Mischung aus positiven und negativen Emotionen ist."
Am 1. November 2024 war ein Vordach am frisch renovierten Bahnhof von Novi Sad eingestürzt. 16 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Viele Serben machten die allgegenwärtige Korruption für die Tragödie verantwortlich.
Aus der Forderung nach schnellen Ermittlungen gegen die Verantwortlichen entstand über die Monate eine friedliche Protestbewegung. Die Demonstrationen gipfelten schließlich in Kundgebungen mit mehreren hunderttausend Teilnehmenden, wie es sie seit dem Sturz von Machthaber Slobodan Milosevic im Jahr 2000 in Serbien nicht mehr gegeben hatte.
Im September gab der rechtsnationalistische serbische Präsident Aleksandar Vucic schließlich der Kernforderung der Protestbewegung nach und rief vorgezogene Neuwahlen aus. Die Bewegung stellte die Studentenliste auf, die sich aus akademischen und zivilgesellschaftlichen Vertretern außerhalb der großen politischen Parteien zusammensetzt.
Die Studentenliste gewann die Parlamentswahl vor einer Woche und besiegte die seit 14 Jahren herrschende Fortschrittspartei SNS von Vucic. Dieser war im September als Staatschef zurückgetreten und wollte bei der vorgezogenen Wahl Ministerpräsident werden. Nach ihrem Wahlsieg fordert die Studentenbewegung den Rücktritt der Leiter mehrerer staatlicher Institutionen, darunter die Chefs von Polizei und Geheimdiensten, sowie Fortschritte bei zahlreichen Korruptions- und Mordermittlungen.
Unterdessen wurde am Sonntag der Leiter der serbischen Kriminalpolizei, Marko Kricak, im Rahmen von Ermittlungen zu einem Mord im Verbrechermilieu festgenommen. Kricak sehe unter dem Verdacht des Amtsmissbrauchs, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die Studentenbewegung hatte ihm vorgeworfen, brutal gegen die Proteste vorgegangen zu sein. Obersterstaatsanwalt Nenad Stefanovic betonte jedoch, die Festnahme stehe "in keinerlei Zusammenhang mit dem Ergebnis der Parlamentswahl".
T.P.MacNamara--IP