Eklat um AfD-Kranz bei Stauffenberg-Gedenkfeier in Berlin
Am Rande der Gedenkfeier in Berlin zum Jahrestag des Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler vor 82 Jahren hat es am Montag einen Eklat um eine Kranzniederlegung der AfD gegeben. Ein Großneffe des evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, Tobias Korenke, protestierte auf der Veranstaltung dagegen und versuchte, das Gebinde zu entfernen. Mitglieder der Bundesregierung würdigten das Vermächtnis der Hitler-Attentäter.
Die Grünen-Politiker Misbah Khan und Andreas Audretsch, die an der Veranstaltung teilnahmen, äußerten Verständnis für das Verhalten Korenkes. "Wer an den Widerstand gegen den Nationalsozialismus erinnert, muss auch klar benennen, wer seine Lehren heute infrage stellt. Ein Kranz der AfD bei der Feierstunde zum Gedenken an den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft ist mit dem Geist der Veranstaltung unvereinbar", sagten sie der Nachrichtenagentur AFP.
"Es verdient Anerkennung, Respekt und Unterstützung, dass Tobias Korenke als Nachfahre der NS-Widerstandskämpferfamilie Bonhoeffer diesen Kranz nicht akzeptiert hat", betonten beide Grünen-Politiker weiter. Sie wiesen darauf hin, dass führende Vertreter der AfD "wiederholt die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert oder dessen Sprache und Symbolik aufgegriffen" hätten. Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus aber "verdient Erinnerung, Respekt und Konsequenz nicht Vereinnahmung".
Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 versucht, Hitler mit einer Bombe zu töten. Zusammen mit anderen Widerstandskämpfern wollte er die Herrschaft der Nationalsozialisten stürzen und den von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg beenden. Das Vorhaben scheiterte jedoch, Stauffenberg und mehrere Mitverschwörer wurden noch am selben Tag erschossen.
Der Enkel des Attentäters Karl Schenk Graf von Stauffenberg kritisierte in der "Welt" ebenfalls die Kranzniederlegung der AfD scharf. Allerdings sagte er der Zeitung, man dürfe dies aus seiner Sicht der AfD auch "nicht verwehren". Gleichwohl finde er "die AfD in ihrer ganzen Art und Weise mit meinem Großvater umzugehen ganz grauenhaft und ganz widerlich". Die Partei versuche seinen Großvater für die eigenen Zwecke zu missbrauchen.
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) erinnerte an das Vermächtnis der Hitler-Attentäter. Die "vielleicht wichtigste Lehre" des 20. Juli sei "nicht die Frage, ob wir eines Tages zu Heldinnen oder Helden werden, sondern ob wir jeden Tag Menschen sind, die den Mut haben, ihrem Gewissen zu folgen". Denn die Freiheit von morgen entscheide sich "in unserem Handeln heute", sagte sie.
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) appellierte auf der traditionellen Gelöbnisfeier zum Jahrestag des Attentats Hitler an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Soldatinnen und Soldaten. Der neue Wehrdienst schaffe ein Bewusstsein dafür, wofür es sich als Gesellschaft zu kämpfen lohne, sagte er bei der Zeremonie im Berliner Bendlerblock.
H.Graddy--IP