Antisemitismusvorwurf gegen Bardella: Macron nennt Äußerungen "inakzeptabel"
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat die dem Rechtspopulisten Jordan Bardella zugeschriebenen antisemitischen Äußerungen als "äußerst schlimm und inakzeptabel" bezeichnet. Er forderte die Verantwortlichen der Partei Rassemblement National (RN) am Mittwoch auf, "ihre Linie zu klären". Die antisemitischen Äußerungen, die Bardella nach einem Bericht des Investigativmagazins "Mediapart" im Alter von 17 oder 18 Jahren gemacht haben soll, "müssen schärfstens verurteilt werden", sagte Macron am Rande seines Staatsbesuchs in der spanischen Hauptstadt Madrid.
Macron prangerte zudem die "gewaltsame Sprache" der RN-Partei an. Es sei inakzeptabel, diejenigen anzugreifen, "die die politische Debatte anstoßen", sagte Macron mit Blick auf "Mediapart", das am Montag über die mutmaßlichen Äußerungen Bardellas berichtet hatte.
Bardella bestreitet, die von dem Magazin zitierten Textnachrichten verfasst zu haben. Sowohl er als auch die rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen stellten dies als politisches Manöver dar, das ihren Wahlerfolg bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen verhindern solle. Le Pen sprach dem 31 Jahre alten Bardella ihr "volles Vertrauen" aus.
"Mediapart" hatte am Montag das Ergebnis einer mehrmonatigen Recherche veröffentlicht, wonach Bardella zu Beginn seiner Karriere antisemitische Positionen vertreten habe. Konkret geht es um etwa ein Dutzend privater Textnachrichten, die Bardella 2013 geschrieben haben soll, in dem Jahr, in dem er volljährig wurde.
Darin heißt es unter anderem: "Alle Banken gehören Juden" oder "Der Jude muss die anderen Völker beherrschen, sie plattmachen und bestehlen".
Zwei französischen Politikern mit jüdischen Wurzeln wirft der Autor der Nachrichten vor, eine "neue Weltordnung, dominiert von Israel" anzustreben.
Das Investigativmagazin zitiert außerdem nicht genannte Weggefährten Bardellas, die von dessen Faszination für den mehrfach verurteilten Verschwörungstheoretiker Alan Solal berichten.
Marine Le Pens Vater und Parteigründer Jean-Marie Le Pen war für seine antisemitische Haltung bekannt und mehrfach verurteilt worden. Marine Le Pen distanzierte sich davon und bemühte sich, die Partei weiter in die Mitte zu rücken.
Le Pen liegt derzeit in Umfragen zur Präsidentschaftswahl mit 35 bis 36 Prozent in der ersten Runde vorn und könnte demnach auch die Stichwahl gewinnen, sei es gegen den Mitte-Rechts-Kandidaten Edouard Philippe oder gegen den Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon.
N.Connor--IP