Historisches Schützenfest: Frankfurter Rekordsieg im DFB-Pokal
Eintracht Frankfurt ist beim ersten Pflichtspiel nach dem Comeback von Cheftrainer Adi Hütter mit dem höchsten Sieg der Vereinsgeschichte im DFB-Pokal in die zweite Runde eingezogen. Das Team des 56 Jahre alten Österreichers ließ gegen den Oberligisten FC St. Tönis dank eines furiosen 11:0 (10:0) zu keinem Zeitpunkt der Partie Gedanken an eine Pokalsensation aufkommen. Das 10:0 zur Pause war gleichzeitig die höchste Halbzeitführung der DFB-Pokalgeschichte.
Zunächst ohne spielerische Glanzpunkte, aber extrem effizient, schob die SGE in der Anfangsphase jeglichen Ambitionen des überforderten Amateurvereins den Riegel vor. Kaum war in der ausverkauften Krefelder Grotenburg, in der St. Tönis Frankfurt empfing, der Stecker nach den ersten Toren gezogen, spielten sich die Hessen in einen Rausch. Jonathan Burkhardt (9./29./41.), Robin Koch (10.), Ayoube Amaimouni-Echghouyab (17.), Can Uzun (34./36.), Elias Baum (44.), Younes Ebnoutalib (45.+1) und Mario Götze (45.+5) sorgten für den Halbzeitrekord. Fares Chaibi (87.) erhöhte kurz vor Schluss.
Inmitten der Nachwehen des alarmierenden 0:7 im Testspiel beim FC Brentford hatte Hütter vor dem Spiel den "Schuss vor den Bug zur rechten Zeit" als Anlass genommen, den Underdog auf keinen Fall zu unterschätzen. Aus gutem Grund: Bei seiner Pflichtspielpremiere 2018 blamierte sich Frankfurt beim damaligen Regionalligisten SSV Ulm bis auf die Knochen – die Eintracht flog als Pokalsieger in der ersten Runde raus.
Derweil stimmte sich St. Tönis aus dem Ortsteil des 30.000-Einwohner-Ortes Tönisvorst auf das größte Spiel der Vereinsgeschichte ein. Sportchef Holger Krebs beschwor im Vorfeld die Geister der Vergangenheit: "Eintracht Frankfurt hat die letzten drei Spiele in der Grotenburg verloren. Wir haben unsere drei Pflichtspiele dort allesamt gewonnen." Entsprechend abergläubisch verzichtete der Verein die Heimkabine und nahm stattdessen mit dem bekannten Gästebereich Vorlieb. "Mir fällt gerade nichts ein, was für Frankfurt spricht", frotzelte Krebs.
Was folgte, hätte Krebs wohl in der Deutlichkeit nicht erwartet. Mit 6000 lautstarken Fans im Rücken riss der Gast aus der Mainmetropole das Spiel sofort an sich – Burkhardt und Koch machten mit Kopfballtreffern die körperliche Unterlegenheit des Fünftligisten binnen Minuten offenkundig. Zwar war das Team von Trainer Bekim Kastrati um eigene Offensivaktionen bemüht, spätestens nach Amaimounis 3:0 war die Gegenwehr gebrochen und Frankfurts Spielfreude geweckt.
Unter "deutscher Meister wird nur die SGE"-Rufen der Fans initiierte vor allem Uzun gnadenlos einen Angriff nach dem anderen. Der türkische Nationalspieler war es auch, der die ansehnlichste Kombination über mehrere Stationen zum halben Dutzend vollmachte. Der Halbzeitpfiff glich dann einer Erlösung.
Nach der Pause war St. Tönis sichtbar bemüht, den Auflösungserscheinungen entgegenzuwirken. Frankfurt ließ indes Gnade walten und das Spiel plätscherte seinem Ende entgegen.
R.T.Anglim--IP