Belgischer Astrophysiker Francis Halzen erhält Physik-Nobelpreis
Für seine grundlegenden Forschungen zu Neutrinos wird der belgische Astrophysiker Francis Halzen mit dem diesjährigen Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Halzens "Weitsicht und wissenschaftliche Führung" hätten entscheidend zur Entwicklung des IceCube Neutrino-Observatoriums in der Antarktis beigetragen, erklärte das Nobel-Komitee am Dienstag in Stockholm. Geehrt werde er zudem für die Entdeckung von Hochenergie-Neutrinos astrophysikalischer Herkunft.
In Halzens Forschungen gehe es letztlich "um geisterhafte Botschafter aus dem All", sagte die Generalsekretärin der Schwedischen Akademie der Wissenschaften, Ellen Moons. Mit Hilfe von Lichtsensoren im IceCube Neutrino-Observatoriums am Südpol, das die Schwedische Akademie als "riesigen Eiswürfel" mit einem Volumen von einem Kubikkilometer Eis beschrieb, könnten Wissenschaftler Neutrinos nachweisen, winzige Teilchen, die bei extrem energiereichen Prozessen in den Weiten des Weltalls entstehen.
Neutrinos seien besonders "schwer zu fassende Teilchen des Universums", die "Materie durchqueren, ohne dass man sie bemerkt", erklärte das Nobel-Komitee weiter. Die Arbeit des IceCube Neutrino-Observatoriums könne Forschern neue Erkenntnisse über die Bedingungen liefern, unter denen Hochenergie-Neutrinos entstehen, und bislang unbekannte kosmische Phänomene enthüllen. Durch seine Arbeit habe Halzen damit "den Weg für eine neue Art von Astronomie gebahnt".
1988 hatte Halzen seine Vision eines Neutrino-Observatoriums aus Antarktis-Eis erstmals vorgestellt. Die Idee erhielt rasch Unterstützung durch weitere Forscher. Einige Jahre später wurden in dem Observatorium am Südpol erste Tests vorgenommen, 2011 wurde der Bau abgeschlossen.
Der aus dem belgischen Tienen stammende Halzen ist Professor an der US-Universität von Wisconsin in Madison. "Das ist eine große Überraschung, und natürlich habe ich nicht damit gerechnet", sagte der 82-Jährige per Telefon-Schaltung bei der Nobel-Pressekonferenz. Neben seiner Freude über die Auszeichnung an sich freue er sich am meisten darüber, dass der Nobelpreis auch ein Licht "auf die wirklich mutigen Leute wirft, die sich mir am Beginn dieses Projekts angeschlossen haben", betonte Halzen.
Begonnen hatte die Verkündung der Nobelpreis-Träger am Montag mit der Auszeichnung für Medizin, die in diesem Jahr an die deutschen Forscher Peter Hegemann und Georg Nagel sowie den US-Neurologen Karl Deissenroth für ihre Pionierarbeiten im Bereich der Optogenetik geht.
Am Mittwoch folgt der Nobelpreis für Chemie, am Donnerstag der Literaturnobelpreis, am Freitag wird der Friedensnobelpreis verkündet. Den Abschluss bildet die Verkündung der Auszeichnung im Bereich Wirtschaftswissenschaften am kommenden Montag.
Der Nobelpreis ist in diesem Jahr mit zwölf Millionen schwedischen Kronen (1,06 Millionen Euro) dotiert. Verliehen werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Preisstifter Alfred Nobel.
H.Graddy--IP